Fleischfressende Pflanzen erfolgreich überwintern

Venusfliegenfalle überwinternBereits im 18. Jahrhundert fand die erste nicht einheimische Karnivore in Form der Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula) ihren Weg in europäische Gewächshäuser und erlangte schnell Beliebtheit bei jenen, die es sich leisten konnten. Aber erst viel später – in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts – wurde die Pflanze so populär, dass durch Entnahmen aus der Natur die Bestände stark gefährdet wurden.

Heute werden verschiedenste fleischfressende Pflanzen aus aller Welt erfolgreich kultiviert. So findet man sie als Zimmerpflanzen ebenso wie im Freiland-Moorbeet.

Doch nicht alle Arten sind gleichermaßen tolerant gegenüber ihren Umweltbedingungen. So durchlaufen die aus den gemäßigten Klimazonen oder Höhenlagen stammenden Arten eine Ruhephase im Winter.

Venus-Fliegenfalle (Dionaea muscipula)

Die Venus-Fliegenfalle stammt ursprünglich aus einem eng begrenzten Gebiet an der nordamerikanischen Küste. Sie toleriert niedrige Temperaturen und kann unter Umständen im Freiland überwintern, sofern sie ausreichend frostgeschützt ist. Temperaturen unter -5°C bekommen ihr allerdings nicht gut, auch wenn es vereinzelt Berichte darüber gibt, dass bis zu -10°C ertragen werden können. Auf der sicheren Seite ist man mit einer Überwinterung im Kalthaus bei niedrigen Temperaturen, aber ohne Frostgefahr. Da jedoch nicht jeder in der glücklichen Lage ist, ein solches Kalthaus zu besitzen, haben sich verschiedene andere Methoden entwickelt, mit denen sich die Venusfliegenfalle überwintern lässt.

So kann man im Herbst die Pflanze von jeglichem Substrat befreien und sie – verpackt in einer Plastiktüte und in feuchten Zellstoff gewickelt - im Gemüsefach des Kühlschranks bei 4°C überwintern. Wenn die Pflanze das Wachstum vollständig eingestellt hat, ist kein Licht notwendig. Im Frühling wird die Pflanze wieder ins Freiland gepflanzt und sollte dann bald neue Triebe bilden.
Bei Temperaturen zwischen 5 und 10°C benötigt die Pflanze durchaus
Licht, bei einer Durchkultivierung bei Raumtemperatur ist zusätzliche Beleuchtung notwendig.

Fettkräuter (Pinguicula)

Viele Fettkrautarten stammen aus unseren Breiten, wie beispielsweise Pinguicula alpina, P. grandiflora und P. vulgaris. Sie benötigen eine Winterruhe bei weniger als 5°C und sind weitgehend frosttolerant, sodass man sie den Winter über getrost im Moorbeet belassen kann. Im Zweifelsfall schadet es nicht, sie mit Zweigen und Laub abzudecken, solange die Blätter eingezogen sind. Im Frühjahr treibt die Pflanze neu aus.

Tropische Fettkräuter (z.B. P. agnata), die vorwiegend aus den höher gelegenen Regionen der Tropen stammen, begrüßen ebenfalls eine kleine Winterruhe. Dazu genügt es, die Temperaturen auf 10-15°C abzusenken und das Gießen auf 1-2 Mal pro Monat zu reduzieren.

Sonnentau überwinternSonnentau (Drosera)

In Deutschland ist die Gattung Drosera mit drei Arten vertreten, die allerdings nicht kultiviert werden und streng geschützt sind. Stattdessen bietet der Handel eine Reihe subtropischer und tropischer Arten an, die nicht frostresistent sind und nur eine Temperaturabsenkung auf 10-15°C vertragen. Auch ein Durchkultivieren bei künstlicher Zusatzbeleuchtung ist möglich. Dabei ist zu beachten, dass das Substrat nie vollständig austrocknen darf und eine gewisse Luftfeuchtigkeit (50-70%) gehalten werden sollte.

Kannenpflanzen (Nepenthes)

Pflanzen der Gattung Nepenthes stammen fast ausschließlich aus den Tropen und brauchen daher keine gesonderte Überwinterung. Gegebenenfalls kann man bei der Durchkultivierung zusätzlich Kunstlicht bieten.

Kannenpflanze im WinterSchlauchpflanzen

(Sarracenia)


Schlauchpflanzen stammen ursprünglich aus Nordamerika (USA und Canada) und eignen sich daher recht gut für die Freilandhaltung in unseren Breiten. Sie sind vollständig frostresistent bis -25°C und brauchen keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen. Gegebenenfalls kann die Pflanze mit Zweigen und Laub zugedeckt werden. Für einen Innenkultur ist die Gattung eher ungeeignet.

Wasserschlauch (Utricularia)

Der Wasserschlauch gehört zu den am weitesten verbreiteten Karnivoren und kommt in nahezu allen Regionen der Welt vor. Die Lebensformen reichen von aquatisch über terrestrisch bis hin zu epiphytisch. Dementsprechend können keine einheitlichen Ratschläge zwecks Überwinterung gegeben werden.

So vielfältig wie die Welt der Karnivoren ist auch das Spektrum ihrer Überwinterungsansprüche. Weiterführende Recherchen in Fachliteratur und einschlägigen Internetforen sind angeraten.