Viele Wild- und Honigbienen suchen als Kulturfolger die Nähe des Menschen, um hier zu nisten. Dabei kommt den Insekten der dunkle Hohlraum im Rolladenkasten gerade recht für den Nestbau. Betroffene Bewohner sind jetzt konfrontiert mit der Entscheidung für die richtige Vorgehensweise, jenseits irrationaler Ängste. Dieser Ratgeber macht Sie vertraut mit verschiedenen Optionen, ein Bienennest vom Rolladenkasten sicher zu entfernen, ohne Schaden für Mensch und Tier.

Sind Bienen gefährlich?

Können sie stechen? - Diese Frage geht den Hausbewohnern gleich durch den Kopf, wenn das Summen von Bienen aus dem Rolladenkasten ertönt. Allerdings ist diese Fragestellung ebenso paradox, wie die Frage, ob Hunde beißen. Hier wird suggeriert, dass die Vierbeiner nur umherlaufen, um jede sich bietende Gelegenheit für einen herzhaften Biss in menschliche Beine oder Arme zu nutzen. Dies ist natürlich ebenso wenig der Fall, wie Wildbienen und Honigbienen schlecht gelaunt umherfliegen auf der Suche nach Menschen, die sie stechen können.

In der Tat sind Bienen ausgestattet mit einem Wehrstachel, der sich aus ehemaligen Legeröhren entwickelt hat. Da Männchen zu keiner Zeit der Evolution über eine Legeröhre verfügten, besitzen sie keinen Wehrstachel und können nicht stechen. Weibliche Bienen verwenden ihren Stachel gegen Menschen niemals aus reiner Aggressivität, sondern ausschließlich in höchster Not, wenn keine Fluchtmöglichkeit besteht. Mit dem Stich in die Haut ist zugleich das Ende der Biene besiegelt. Der Stachel ist mit Widerhaken versehen, sodass der gesamte Stechapparat aus dem Insekt gerissen wird und die Biene stirbt. Solange Bienen und Hummeln sich nicht bedroht fühlen und einen Ausweg sehen, bleiben Menschen von ihren Stichen verschont.

Aus diesem Blickwinkel ist es kein Grund zur Panik, wenn im Rolladenkasten ein Bienennest entdeckt wird. Eine unmittelbare Gefahr geht von den Bienen nicht aus. Sie können in Ruhe abwarten, bis das Brutgeschäft abgewickelt ist und die Bienen das Nest verlassen.
Sofern sich kleine Kinder, hilfebedürftige Senioren oder Allergiker im Haus befinden, lesen Sie diese Anleitung weiter. Im Folgenden erfahren Sie sinnvolle Vorgehensweisen, um ein Bienennest vom Rolladenkasten zu entfernen.

Bienen stehen unter Naturschutz

Das weltweite Insektensterben nimmt weiterhin Fahrt auf und verschont Wildbienen und Honigbienen nicht. Seit 1952 hat sich alleine die Zahl der domestizierten Bienenvölker von 2,5 Millionen auf 1,4 Millionen nahezu halbiert. Von den 560 Wildbienen-Arten in Europa sind mehr als die Hälfte im Bestand bedroht. Der dramatische Rückgang hat den Gesetzgeber dazu veranlasst, Bienen als besonders geschützte Arten unter Naturschutz zu stellen.
Bienennest - Bienenwaben
Konkret ist es bei Strafe verboten, Bienen zu fangen, zu töten, ihre Nester zu beschädigen oder die Insekten auch nur zu stören. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafen von bis zu 60.000 Euro geahndet. Wenn Sie ein Bienennest vom Rolladenkasten entfernen wollen, sind daher besondere Vorgehensweisen erforderlich, die im Einklang mit dem Naturschutzgesetz stehen.

Erste Anlaufstelle Imkerverein

Unter den vielen Hundert Bienenarten den Unterschied zu erkennen zwischen Wildbienen, heimischen Honigbienen und gezüchteten Hochleistungsbienen, ist dem Fachmann vorbehalten. Hat ein Bienenvolk offensichtlich Ihren Rolladenkasten zum Nest auserkoren, wenden Sie sich an den örtlichen Imkerverein. Hier erfahren Sie, welche Imker in Ihrer Nähe einen Bienenschwarm kostenlos umsiedeln. Im richtigen Umgang mit wilden Solitärbienen stehen Ihnen die Experten ebenfalls mit Rat und Tat zur Seite.

Umsiedeln statt vernichten

Bienen nisten sich erst dann im Rolladenkasten ein, wenn ihnen artgerechte und natürliche Optionen verwehrt bleiben. Zumeist handelt es sich um Wildbienen respektive Solitärbienen, die lieber in der Geborgenheit morscher Baumstämme ihr Nest anlegen würden, als in der unsicheren und lauten
Umgebung eines Rolladenkastens. Das gilt vor allem dann, wenn die Rollade täglich aufgezogen und wieder herabgelassen wird. Bieten Sie den Insekten einen alternativen Nistplatz außerhalb der Wohnung an, wird dieser von den Arbeiterinnen schnell entdeckt. Im Anschluss an eine gründliche Inspektion siedelt das kleine Völkchen um. Mit dieser Strategie werden Sie das Bienennest im Rolladenkasten los, ohne mit dem Bundesnaturschutzgesetz in Konflikt zu geraten, den Insekten zu schaden oder gestochen zu werden.

Artgerechte Nisthilfen können Sie selber bauen oder im Fachhandel für wenig Geld erwerben. Empfehlenswerte Modelle, die Bienen zu einem Umzug aus dem Rolladenkasten motivieren, stellen wir Ihnen im Folgenden näher vor:

Nisthölzer

Gut abgelagertes Hartholz aller Art ist perfekt geeignet als Heim für Hohlraum-bewohnende Wildbienen. Buche, Eiche, Esche sowie das Holz von Obstbäumen lassen sich mit wenigen Handgriffen in einen verlockenden Nistplatz verwandeln. Im Gegensatz dazu ist Nadelholz zu weich für eine Bearbeitung und quillt bei Feuchtigkeit auf, sodass Larven oder Kokons zerdrückt werden könnten. So bauen Sie eine Nisthilfe selbst:
  • Mehrere Monate getrocknete und entrindete Baumstammstücke, dicke Äste oder Balken verwenden
  • Mit einem Holzbohrer Bohrlöcher anlegen mit einem Durchmesser von 2,5 bis 8 mm
  • Tiefe der Bohrlöcher bis zum Bohrfutter der Bohrmaschinen
  • Das Holzstück nicht vollständig durchbohren
  • Jedes Loch ist mindestens 10 mal länger als breit
Achten Sie bitte auf einen ausreichenden Abstand von 1 bis 2 cm zwischen den Bohrlöchern, damit sich keine Risse bilden. Bewegen Sie den Bohrer solange hin und her, bis die Wände im Nistloch glatt sind. Hochstehende Holzfasern am Eingang schmirgeln Sie ab. Restliches Bohrmehl ist nach leichtem Klopfen verschwunden.

Tipp: Glasröhrchen aus Plexiglas sind als Nisthilfe für Insekten vollkommen ungeeignet. Innerhalb des undurchlässigen Materials stirbt ein Großteil der Bienenbrut infolge von Verpilzung ab.

Hohle Stängel

Bienen verlassen den besiedelten Rolladenkasten im Handumdrehen, wenn sich in der Nähe eine vertikale Nisthilfe aus hohlen Stängeln befindet. Hervorragend geeignet für diesen Zweck sind Holunderstecken, Bambusröhren, Brombeerranken oder Königskerzenstiele. So konstruieren Sie aus Stängeln ein verlockendes Bienenhotel:
  • Die gewählten Pflanzenstängel in Stücke zerschneiden mit einer Länge von 15 bis 20 cm
  • Die Stiele aufrecht in einen Behälter stellen, der an einem Ende offen und am anderen Ende geschlossen ist
  • Eventuelles Mark zuvor mit dem Akkuschrauber oder einem Schraubenzieher entfernen
Bienen am BienenstockDamit die Pflanzenstiele nicht von Vogelschnäbeln aus dem Behälter gezogen werden, bestreichen Sie das untere Ende mit Holzleim und drücken es gegen die
Rückwand.

Strangfalzziegel

Befinden sich Strangfalzziegel in der Nähe, wenden Bienen dem ungemütlichen, lauten Nest im Rolladenkasten schnell den geflügelten Rücken zu. Die Ziegel bestehen aus gebranntem Ton mit etwa 10 bis 12 parallelen Hohlkammern. Diese durchziehen die flache Längsachse und verfügen an beiden Enden über einen runden Zugang. Mit einem Durchmesser von 6 bis 8 mm sind die Röhren für Hohlraum-bewohnende Wildbienen genau richtig, um darin den Nachwuchs groß zu ziehen. So wird ein Bienenhotel aus Strangfalzziegeln konstruiert:
  • Ziegel hochkant in ein bestehendes Insektenhaus integrieren
  • Alternativ auf einer Palette oder einem Balken zu einem Turm aufstapeln oder in die Trockenmauer einbeziehen
  • Auf einer Seite die Röhren verschließen mit Gips, unbehandelter Polsterwolle oder Bio-Watte
Scharfkantige oder deformierte Öffnungen können mit einem Steinbohrer in Form gebracht werden. Handelsübliche Strangfalzziegel sind 40 cm lang und können mit einem Winkelschleifer in zwei Hälften geteilt werden. Erhältlich sind die Ziegel bei Dachdeckerbetrieben, im Internet oder dem Hersteller Creaton.

Nisthilfe aufstellen - Tipps zum Schutz vor Fressfeinden

Am sonnigen, warmen Standort an der Süd-, West- oder Ostwand des Hauses ist ein guter Platz, um eine Nisthilfe anzubringen. Idealerweise ist die Lage gut geschützt vor Wind und Regen. Schattige Standorte sind für ein Bienenhotel ungeeignet. Im Baum aufgehängte, beschattete und im Wind baumelnde Nisthilfen lassen Bienen links liegen und verharren lieber im Rolladenkasten.

Damit sich keine Vögel am Bienen-Kindergarten vergreifen, statten Sie die Nisthilfe aus mit einem Schutz. In der Praxis gut bewährt haben sich blaue Kunststoffnetze und Drahtgeflechte mit einer Maschenweite von 3 x 3 cm, die in einem Abstand von 20 cm angebracht sind. Die sehr engmaschigen Vogelschutznetze sind hingegen viel zu fein gewebt, als dass Bienen die Maschen passieren könnten, um an ihr Nest zu gelangen. Überdies haben sich die grünen Netze als Todesfallen für Vögel und Igel herausgestellt.

 Tipps für die Vorbeugung

Einen Insekten-sicheren Rolladenkasten ziehen Bienen als Nistplatz erst gar nicht in Betracht. Unterziehen Sie die Rollade mit Kasten daher im März einer genauen Prüfung, rechtzeitig, bevor sich die Bienenköniginnen auf die Suche nach einer Resistenz machen. Die folgenden vorbeugenden Maßnahmen können Sie selber durchführen:
  • Stoppleiste am Rollladen mit einer Bürstenleiste oder Profilgummidichtung versehen
  • Rolladen-Stopper ersetzen durch Bürstenleisten
  • Mögliche Schlupflöcher zukleben mit Gips, Silikon oder Klebeband
Nelkenöl hat eine abwehrende Wirkung auf Bienen, Hummeln und Wespen. Bestreichen Sie den Rolladenkasten, den Fensterrahmen sowie die Fugen mit ätherischem Öl und frischen den Anstrich bis Juli regelmäßig auf. Bitte beachten Sie, dass gemäß Naturschutzgesetz alle Abwehrmaßnahmen enden müssen, sobald Bienen mit dem Nestbau begonnen haben.