Ein Garten im Glas ist die ideale Möglichkeit, Natur ins Haus zu holen. Man kennt das Ganze auch als Flaschengarten, unter der Bezeichnung Hermetosphäre oder Ecosphere, einem speziellen Aquarium. Bei der Anlage und Handhabung eines solchen Systems gibt es einiges zu beachten. Sei es die Auswahl geeigneter Gefäße und Pflanzen, die Zusammensetzung des Substrats oder generell der richtige Aufbau.

Mini-Biosphäre in Form eines Flaschengartens

Ein Ökosystem im Glas kennt man vor allem als Flaschengarten. Der kann sowohl in offenen Glasbehältern als auch in geschlossenen angelegt werden. Letzteres wird als Hermetosphäre bezeichnet und ist ein in sich geschlossenes Ökosystem in Form eines kleinen, mit Pflanzen bestücktem, verschließbarem Glasgefäß.
Die Pflanzen nehmen Wasser aus dem Substrat auf und verdunsten es teilweise über ihre Blätter. Das schlägt sich an den Innenwänden als Kondenswasser nieder und tropft in Form von Regen auf das Substrat, wo es den Pflanzen wieder zur Verfügung steht. Nährstoffe gewinnen sie aus abgestorbenen Pflanzenteilen. Die Pflanzen filtern mithilfe der Fotosynthese

Kohlendioxid aus der Luft und geben Sauerstoff ab.

Benötigte Materialien

  • Luftdicht verschließbares Glasgefäß
  • Fassungsvermögen von mindestens zwei Litern
  • Nährstoffarmes Substrat
  • Kalkfreie, chemisch neutrale Kiessorten
  • Lavagranulat, Blähton, Bimsstein oder Bodenschüttungen
  • Stecklinge oder Ableger geeigneter Pflanzenarten
  • Papprolle oder herkömmlichen Trichter zum Befüllen
  • Holzstäbchen oder lange Pinzette zum Einsetzen der Pflanzen
  • Sieb zum Waschen der Steine

Das richtige Gefäß

Bei der Wahl des Glasgefäßes kommt es darauf an, dass es sich leicht befüllen lässt. Man kann eine herkömmliche Flasche verwenden, besser sind aber Gefäße mit einer etwas größeren Öffnung. Sie sollten bauchig sein und sich verschließen lassen, mit einem Deckel oder einem Korkverschluss. Nur so kann ein kleines Ökosystem entstehen.
So bieten sich Gefäße mit besonderen Formen wie eine Glaslaterne mit einer praktischen Kordel zum Aufhängen, klassische Einmach- oder Bonbongläser oder eine dekorative Flasche mit großer Öffnung an.

Flaschengarten Vorbereitung - Ökosystem im Glas

Tipp: Korkverschlüsse müssen zuvor speziell versiegelt werden, ansonsten können sie schimmeln.

Das perfekte Substrat

Nicht jedes Substrat ist für die Anlage eines Flaschengartens geeignet. Unpassende Substrate wie herkömmliche Blumenerde, würde sehr schnell schimmeln. Das richtige Substrat ist die Basis für eine funktionierende Mini-Biosphäre.

  • Es sollte stabil, grobkörnig, langlebig sein und nicht verdichten
  • Anorganische Materialien mit Körnung von 2 bis 6 mm optimal
  • Luftiger und formstabiler Blähton wie geschaffen
  • Basaltsplit und Lavagranulat, dank offener, poröser Struktur
  • Bimsstein und Akadama, ein rein mineralisches Granulat, geeignet
  • Substrate wie Seramis komplett ungeeignet
    Material ist nicht formstabil
    Kann an Glaswänden unschöne Schlieren verursachen

Verzichten sollte man auch auf kalkhaltige Substrate wie Marmorkies, sie könnten das Milieu im Glas chemisch verändern. Was gar nicht geht, ist vorgedüngte, handelsübliche Blumenerde. Sie verdichtet sich nach und nach, was den Gasaustausch behindert und zu Fäulnisbildung führen kann. Zudem setzt sie Nährstoffe frei, was zu einem unerwünscht üppigen Pflanzenwuchs führt.

Richtige Pflanzenauswahl

Zur Bepflanzung bieten sich, je nach Form und Größe des Glases, langsam wachsende und klein bleibende Pflanzenarten an. Sie sollten robust sein, konstante Feuchtigkeit und Nährstoffarmut vertragen, ohne direktes Sonnenlicht auskommen und generell ähnliche Ansprüche stellen. Die klimatischen Bedingungen an ihren natürlichen Standorten sollten denen im Glas weitestgehend ähneln. Für einen Garten im Glas eignen sich exotische Arten wie Miniorchideen unterschiedlicher Orchideengattungen und Bromelien besonders gut. Sehr gut machen sich auch Moose wie z.B. Torfmoose, kleinwüchsige Farne, Zierpfeffer, Zebrakraut, Mini-Grünlilien, die Dreimasterblume (Tradescantia) und sogar fleischfressende Pflanzen. Sie sollten auf jeden Fall gesund und schädlingsfrei

sein.

Flaschengarten befüllen

Tipp: Trockenheitsliebende Kakteen und Sukkulenten eignen sich ausschließlich für offene Flaschengärten.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Bevor es ans Befüllen geht, sollte der Glasbehälter gründlich gereinigt und anschließend mit klarem Wasser ausgespült werden. Im Idealfall sind sowohl Kieselsteine als auch Flasche keimfrei. Granulate kann man in einem Sieb mit Wasser abbrausen, um es von Staub und anderen Verschmutzungen zu befreien. Dann kann es auch schon losgehen.

Drainage einfüllen

Der Untergrund für das Mini-Ökosystem soll die Sauerstoffversorgung unterstützen, für ein ausgewogenes Verhältnis von Feuchtigkeit sorgen und die Wurzeln vor Fäulnis schützen. Demzufolge sollte er perfekt sein. Die unterste Schicht bildet Kies oder ein grobkörniges Granulat, vorzugsweise Blähton oder Lavagranulat. Sollte die Glasöffnung etwas kleiner sein, bietet sich zum Befüllen ein aus Pappe gefertigter Trichter oder eine ähnliche Einfüllhilfe an. Das Material muss gleichmäßig auf dem Boden verteilt werden. Letztendlich sollte diese Schicht etwa 10-20 Prozent der Gesamthöhe des Glasgefäßes betragen und in zwei Etappen eingefüllt werden.

Tipp: Durch die Verwendung verschiedener Gesteine bzw. Granulate lässt sich eine schöne Optik erzielen.

Einsetzen der Pflanzen

Verwendet man eingetopfte Pflanzen, schüttelt man die Erde vorsichtig ab, möglichst ohne die Wurzeln zu beschädigen. Natürlich kann man auch Stecklinge oder Ableger geeigneter Zimmerpflanzen verwenden.

  • Wurzeln unter fließendem Wasser abspülen
  • Behälter mit zwei Dritteln des Substrats befüllen
  • Pflanzen mithilfe einer Pinzette oder Ähnlichem einsetzen und platzieren
  • Danach restliches Substrat gezielt einfüllen
  • Am besten mit einem Trichter
  • Wurzeln müssen komplett bedeckt sein
  • Stecklinge und Ableger einfach zwischen die Steine stecken
  • Moose auf die oberste Substratschicht legen
  • Bei Bedarf mit etwas Dekomaterial ergänzen
  • Zum Schluss mit kalkarmem, idealerweise Regenwasser, leicht angießen
  • Am besten wieder etappenweise
  • Überschwemmen unbedingt vermeiden
  • Bei kleineren Gefäßen am besten mit einer Pipette
  • Am Boden sollte kein Wasser zu sehen sein oder sich dort sammeln

Flaschengarten gefüllt

Tipp: Mit zusätzlicher Dekoration kann man seine eigene kleinen Mini-Biosphäre individuell gestalten. Dabei sollte man darauf achten, nur witterungsbeständige Materialien und kein moderanfälliges Holz zu verwenden.

Zersetzer zugeben

Unverzichtbar für ein funktionierendes Ökosystem im Miniformat und wichtige kleine Helfer sind Kleinstlebewesen. Sie fungieren als Putztrupp sowie Boden- und Gesundheitspolizei, da sie sich von Schimmelpilzen und abgestorbenen Pflanzenteilen ernähren. Besonders bewährt haben sich tropische Springschwänze (Collembolen) und weiße Asseln (Trichorhina tomentosa). In trockener Wohnungsluft sind sie nicht lebensfähig, ganz anders in

einem Flaschengarten, hier fühlen sich diese lichtscheuen Tierchen pudelwohl. Man rechnet etwa 10-15 Exemplare je Liter Gefäßvolumen. Zum Schluss wird das Glas oder die Flasche verschlossen.

Tipp: Sollte zu viel Wasser im Glas gelandet sein, lässt man es ein paar Tage offen, bis das überschüssige Wasser verdunstet ist.

Auf den richtigen Standort achten

Beim Standort spielt das Licht eine entscheidende Rolle. Auch wenn ein heller Platz wichtig ist, sollte direktes Sonnenlicht unbedingt vermieden werden. Tut man das nicht, kann es durch den Brennglaseffekt zu Verbrennungen der Blätter und einem raschen Temperaturanstieg im Gefäß auf über 40 Grad kommen. Das macht den schönsten Flaschengarten zunichte. Ideale Standorte sind ein Nord-, Nordost- oder Nordwestfenster oder ein heller, absonniger Platz innerhalb der Wohnung. Möglich ist auch ein Ort ohne natürliches Tageslicht. Dann muss allerdings für künstliche Beleuchtung gesorgt werden, und zwar für ca. zwölf Stunden täglich.

Pflege der Mini-Biosphäre

Ein Ökosystem im Glas erhält sich in der Regel selbst. Dass das Ganze funktioniert, zeigt sich u.a. daran, dass die inneren Glaswände morgens beschlagen sind und im Laufe des Tages abtrocknen. Sollte das nicht der Fall sein, ist es ratsam, das Glasgefäß kurzzeitig zu öffnen und überschüssige Feuchtigkeit entweichen zu lassen. Öffnen sollte man es übrigens auch, wenn kranke oder faulende Pflanzen erkennbar sind und diese dann entfernen.

Ökosystem in Form einer Ecosphere

Neben dem herkömmlichen Flaschengarten gibt es auch die sogenannte Ecosphere. Dabei handelt es sich um ein spezielles Aquarium, dessen Bewohner wie Minigarnelen, Schnecken und Bakterien ohne äußere Einflüsse und über Jahre in einem geschlossenen Glasgefäß eingeschlossen sind. Ein in sich geschlossenes, autarkes Ökosystem und kleines Unterwasser-Paradies. Es benötigt lediglich etwas indirektes Sonnenlicht und gleichbleibende Temperaturen.

Ecosphere

Der Unterschied zur oben beschriebenen Mini-Biosphäre oder einer Hermetosphäre besteht insbesondere darin, dass das das Behältnis mit Wasser gefüllt wird, wie jedes andere Aquarium auch. Eine Ecosphere benötigt 6-12 Stunden Sonnenlicht und Zimmertemperaturen zwischen 15 und 30 Grad. 

Funktionsweise

  • Algen nehmen Nährsalze aus dem Wasser auf
  • Produzieren mithilfe von Sonnenlicht Sauerstoff
  • Garnelen nehmen den Sauerstoff auf
  • Geben dann Kohlendioxid ab
  • Das nutzen Algen zur Fotosynthese
  • Bakterien setzen Ausscheidungen der Garnelen in totes Material und Nährsalze um
  • Die ernähren die Algen
  • Algen und Bakterien dienen Garnelen als Nahrungsquelle

Ecosphere Funktionsweise

Allerdings ist diese Form der Aquaristik umstritten, denn die Haltung von Tieren in geschlossenen Gefäßen ist nicht optimal. Insbesondere für Garnelenarten, die nicht an ein Leben in einem derartigen Milieu angepasst sind. Sie würden vermutlich relativ schnell eingehen. Diese Tierchen haben weder viel Platz noch ausreichend Versteckmöglichkeiten. Das gilt vor allem für kleinere Glasbehälter.