Woher das Zeltdach seinen Namen hat, ist unverkennbar. Doch seit langem schon hat es diese Dachform in den Kreis der gestalterischen Stilmittel des Wohnhausbaus geschafft. Durch einige elementare Vorteile hebt sie sich von anderen Dachformen ab. Wir erklären diese Unterschiede und liefern darüber hinaus zahlreiche wissenswerte Fakten rund um das Zeltdach.

Form und Ursprung

Natürlich ist schon alleine auf Grund des Namens die Verwandtschaft des Zeltdaches zum echten Zelt unverkennbar. Aber auch optisch erinnert die Formgebung stark an die einfachste Form des Zeltes aus einer zentralen Stange mit darüber gespannter Plane. Erste feste Behausungen in Form von Jurten, Einfachsthütten und anderen Erscheinungsformen greifen ebenfalls auf diese simple wie effektive Dachform zurück.
Angepasst an die üblicherweise orthogonal ausgerichteten Wohnhausgrundrisse besteht ein Zeltdach normalerweise aus vier Dachflächen mit

identischer Neigung, die sich in einem zentralen Firstpunkt berühren. Daraus ergibt sie die geradezu zwangsläufige quadratische Form eines mit diesem Dach überdeckten Gebäudes. Ein umlaufender unterer Dachrand verstärkt den Eindruck einer in sich geschlossenen, auf dem Baukörper sitzenden Dachhaube. Beliebte Spitznamen von Wohngebäuden mit Zeltdach ist beispielsweise "Pilzhaus".

Der statische Aufbau

Aus der Form mit einem zentralen Firstpunkt wird schnell ersichtlich, dass das Zeltdach trotz seiner optischen Nähe statisch einen völlig anderen Ansatz verfolgen muss, als das Satteldach:

1. Zentrale Firststütze

  • Senkrechte Ableitung der Lasten vom Firstpunkt in darunterliegende Massivbauteile (Decke oder Wand)
  • Von jeder Gebäudeecke aus Gratsparren zum Firstpunkt als oberer Auflager- oder Anbindungspunkt der Sparren
  • Umlaufende Schwelle als unterer Auflagerpunkt
  • Sparren als tragende Elemente des Dachaufbaus der einzelnen Dachflächen

2. Pfettenkonstruktion

  • Umlaufende Schwelle als unterer Auflagerpunkt der Sparren
  • Umlaufende Pfette als oberes Auflager, meist ca. ein Drittel bis Viertel der Sparrenlänge vom Firstpunkt aus
  • Obere Sparrenenden frei auskragend zum Firstpunkt
  • Pfetten über Stützen oder Wände auf Gründungsbauteile abgelastet

3. Starre Rahmenkonstruktion

  • Umlaufende Schwelle als unterer Auflagerpunkt der Dachkonstruktion
  • Gratsparren von den Gebäudeecken zum Firstpunkt, sich gegenseitig stützend, als starre Rahmenkonstruktion ohne mittlere Unterstützung
  • Dachsparren auf Gratsparren aufgelegt, oder in selber Ebene angebunden

Typische Dachaufbauten beim Zeltdach

Konstruktiv orientieren sich mögliche Dachsysteme des Zeltdaches an der bewährten Methodik:

  • Innen: Dampfdiffusionsdichte Ebene gegen Eintritt von Feuchtigkeit aus dem Wohnraum in die Dämmebene
  • Dämmschicht
  • Diffusionsoffenes Unterdach zur Ablüftung austretender Feuchtigkeit aus dem Dachaufbau, ggf. in Kombination mit weiterer Dämmlage
  • Hinterlüftungsebene zur Abfuhr austretenden Wasserdampfs
  • Außen: Dachhaut mit Unterkonstruktion

Letztlich finden sich beim Zeltdach beide gängigen Möglichkeiten wieder, um diesen Aufbau in Relation zum Tragwerk zu realisieren:

1. Indachdämmung

Die Dämmebene entspricht der Sparrenebene. Hierzu wird die Dämmung als weicher Dämmstoff zwischen die Sparren eingelegt. Die jeweils begrenzenden Schichten werden unter- und oberhalb der Sparrenlage vorgesehen. Den optisch sichtbaren inneren

Abschluss des Dachaufbaus bildet eine Verkleidung aus Holz oder gestrichenem, verputztem oder tapeziertem Gipskarton.

2. Aufdachdämmung

Die Dämmschicht wird auf der konstruktiven Sparrenlage aufgebaut und kann entweder als weiche Dämmung zwischen Lagerhölzern, oder als durchgehende, druckfeste Dämmschicht erstellt werden. Als Basis für die Dämmlage muss auf den Sparren ein flächiger Belag aus verschiedenen Holzwerkstoffen errichtet werden. Bei dieser Variante bleibt das Tragwerk im Dachraum sichtbar und kann optisch inszeniert werden.

HINWEIS: Entgegen zahlreicher anderer Dachformen ist beim Zeltdach die Aufdachdämmung sehr weit verbreitet. Hintergrund ist die hohe Anzahl konstruktiver Elemente und Detailpunkte in der Sparrenlage, die zu einer Vielzahl an Störungspunkten der Dämmschicht bei einem Einbau in der Konstruktionsebene führen würde.

Die Dachneigung

DachneigungLetztlich lässt sich ein Zeltdach in allen Neigungsvarianten ab 0 Grad errichten. Technisch sinnvoll wird die Konstruktion aber erst ab ungefähr 10 bis 15 Grad, da der gewonnene Dachraum ansonsten überwiegend durch konstruktive Bauteile in Anspruch genommen wird. Heute gebräuchlich sind Neigungen zwischen 15 und etwa 30 Grad. Größere Neigungen im Bereich 45 Grad und mehr erzeugen dagegen einen voluminösen Dachraum, der jedoch auf Grund der allseitigen Neigung nur sehr schwierig nutzbar zu machen ist. In diesen Fällen wird meist eine alternative, besser nutzbare Dachform gewählt.

Dachbeläge

Ein Zeltdach lässt sich in Abhängigkeit von der Dachneigung nahezu beliebig mit unterschiedlichen Dachbelägen versehen. Dabei ist flächigen Belägen gerade bei kleinen Dächern gegenüber etwa Ziegeln oder Schindeln der Vorzug zu geben, da ansonsten durch die allseitig anzutreffenden Gratdetails unzählige Anpassungen und Zuschnitte einzelner Ziegel erforderlich wären. Immer wieder anzutreffende Belagsarten sind:

  • Ziegel und Betondachsteine - meist ab 15 Grad, einzelne Modelle bereits ab 10 Grad
  • Foliendächer - beliebige Dachneigung
  • Kies- oder Grünbelag auf Foliendach - über 10 Grad nur noch bedingt sinnvoll
  • Schiefer, Schindeln und andere lokale Deckungsvarianten - meist ab ca. 15 bis 20 Grad, je nach Unterbau

HINWEIS: Da das Zeltdach bei Wohngebäuden über keine nennenswerte Geschichte verfügt, bestehen keine typischen, historischen Deckungsformen, wie etwa Stroh, Reet oder Schilf.

Dachaufbauten und -einbauten

Grundsätzlich eignen sich die einzelnen Dachflächen eines Zeltdaches für den Auf- oder Einbau von Dachgauben oder Dachbalkonen. Allerdings wird das Zeltdach im Allgemeinen mit eher flacher Neigung verwendet. Ergänzt um die Tatsache der allseitig beschnittenen Dachflächen verbleibt lediglich bei sehr großformatigen Dächern genügend Dachfläche, um diese Aufbauten sinnvoll zu platzieren. In der Praxis sind daher selbst Dachflächenfenster beim Zeltdach eher selten zu finden.

Abgrenzung gegenüber anderen Dachformen

Zeltdach - AufdachdämmungEigentlich ist die Ausführung eines echten Zeltdaches aus rein geometrischer Sicht nur auf quadratischen Baukörpern möglich. Praktisch kommt es auch im Allgemeinen bei dem Quadrat sehr nahen Grundrissen zum Einsatz. Da sich aber aus vielerlei Gründen ein echtes Quadrat nur sehr selten realisieren lässt, überdecken zahlreiche Sonderformen des Zeltdaches die Gebäude. Meist ähneln sie sehr stark einen extrem ausgeprägten

Walmdach, bei dem entweder mit unterschiedlicher Neigung von Walm- und Hauptfläche die Firstlinie auf Null minimiert wurde, oder der Punktfirst des Zeltdaches mit allseitig identischer Neigung zu einem kurzen, aber dennoch linear ausgeformten First erweitert wurde. Die exakte Abgrenzung des Zeltdaches gegen andere Dachformen ist letztlich schwierig, allerdings ist die Benennung im Hinblick auf die praktische Realisierung ohnehin zweitrangig.

Kosten eines Zeltdaches

Eine zuverlässige Gegenüberstellung der Kosten eines Zeltdaches gegen andere Dachformen ist kaum möglich. Ursache ist die gängige Verwendung dieser Dachform. Während in Sattel- oder Walmdächern häufig eigenständige Aufenthaltsräume entstehen, überdeckelt das Zeltdach häufig ein vollwertiges Regelgeschoss mit raumhoch senkrechten Wänden. Berücksichtigt man aber die sonstigen Besonderheiten hinsichtlich der Grundrissanforderungen an mit Zeltdach versehenen Gebäuden, dürfte diese Dachform zumindest in Relation zu anderen Dachformen auf dem selben Gebäude keinesfalls teurer in Erscheinung treten.

Vorteile und Schwierigkeiten

Selbstverständlich schlagen auch beim Zeltdach verschiedene Aspekte positiv zu Buche, während andere Gegebenheiten eher schwierig sind:

Vorteile

  • Gute Überdachung ansonsten schwieriger, quadratischer Grundrisse
  • Durch allseitige Neigung geringes optisches Gewicht des Daches - sehr leicht erscheinende Dachform
  • Geringes Dachraumvolumen, daher ohne Bedarf zusätzlicher Nutzfläche gute Lösungsmöglichkeit ohne unnötig viel toten Raum

Nachteile

  • Hoher konstruktiver Aufwand
  • Zahlreiche Detail- und Verschneidungspunkte
  • kaum Dachauf- oder einbauten möglich