Das Zwerchdach kann in vielfacher Art und Weise in Erscheinung treten. Ebenso ist es in der Lage, den unterschiedlichsten Dachformen einen gestalterischen oder nutzungstechnischen Mehrwert zu eröffnen. Hier erfahren Sie Nützliches rund um das Zwerchdach vom Aufbau über die Einsatzmöglichkeiten bis hin zu zusätzlichen, interessanten Informationen.

Wann ein Dach zwerch ist

Zunächst mag man beim Begriff des Zwerchdaches an den Zwerg erinnert sein. Auch diese Vermutung wäre nicht abwegig, da ein Zwerchdach das Dach eines Querbaus an einem Hauptbaukörper mit Hauptdach beschreibt. Letztlich bedeutet "zwerch" aber nicht mehr oder weniger als "quer", so dass das Zwerchdach seinen Namen nicht von seiner Dimension, sondern über seine Ausrichtung erhält. In der Architektur findet sich der Begriff des Zwerchdaches eigentlich nur bei echten Querbauten, also untergeordneten Baukörpern, die auf voller Gebäudehöhe klar erkennbar und ablesbar sind.

Außerhalb der Fachsprache

findet sich der Begriff aber auch häufig in Verbindung mit Dachgauben, also Aufbauten, die allseitig von der Hauptdachfläche umgeben und so nur aus "Aufsatz" auf das Dach ablesbar sind. Die im Folgenden gegebenen Informationen lassen sich problemlos auf beide Varianten, also auf die Bedachungen von echten Querbauten und Gaubendächer beziehen. Denn sowohl optisch als auch technisch gleichen sich beide Fälle nahezu aufs Haar.

Der Sinn eines Zwerchdaches

Die Beweggründe für den Einsatz eines Zwerchdaches mögen so individuell sein, wie die damit ausgestatteten Gebäude. Allerdings lässt sich der objektive Mehrwert dieses Dachelements auf zwei grundlegende Bereiche einschränken:

1. Optischer Mehrwert:

  • Unterteilung, Zonierung und Gliederung des Hauptdaches
  • Reduzierung der optischen Schwere des Hauptdaches durch kleinteilige, ergänzende Aufbauten

2. nutzungstechnischer Mehrwert:

  • gerade Wände an Stelle von Dachschrägen des Hauptdaches für eine bessere Möblierbarkeit
  • größere Raumhöhe für Aufenthaltsräume, Erschließung oder Technik (z.B. Aufzug) im Dachraum

Die Dachneigung

Dachneigung bei ZwerchdachAn dieser Stelle geht es zunächst einmal nicht um die Neigung des Zwerchdaches selbst, sondern um die erforderliche Neigung der Dachfläche, aus der da Zwerchdach heraustreten soll. Theoretisch ist das bei jeder Art der Neigung möglich, allerdings muss die Dachfläche umso größer sein, je flacher die Neigung ausfällt. Nur so lässt sich durch die Steigung des Daches die für die Unterbringung des Zwerchdaches erforderliche Höhendifferenz erzielen. Die Höhendifferenz muss dabei nicht nur so hoch ausfallen, dass der konstruktive Aufbau des Zwechdaches darin verschwindet. Darüber hinaus muss sich hier natürlich auch der zusätzliche Gewinn an Raumhöhe unter dem Zwerchdach wieder spiegeln und darüber hinaus ein gewisser Erhalt an Hauptdachfläche um das Zwerchdach herum möglich sein. An praktischen Beispielen lässt sich dieser Zusammenhang recht gut erkennen:

1. Dachneigung 45° / Haustiefe 8 Meter (normales Einfamilienhaus) / mittiger First:

  • resultierende Höhendifferenz der Hauptdachfläche 5 Meter
  • Mittlere Dachaufbauhöhe des Zwerchdaches mit Dämmung etc. ca. 0,30m
  • Mindesthöhe Aufenthaltsraum im Dach (je nach Bundesland) ca. 2,20m
  • Verbleibende Resthöhe des Hauptdachs bei Zwerchdach als Flachdach 4,00 Meter abzügl. 2,50 Meter Gesamthöhe Zwerchbau = 1,50 Meter

2. Dachneigung 30° / Haustiefe 8 Meter (normales Einfamilienhaus) / mittiger First:

  • resultierende Höhendifferenz der Hauptdachfläche 2,66 Meter
  • Mittlere Dachaufbauhöhe des Zwerchdaches mit Dämmung etc. ca. 0,30m
  • Mindesthöhe
    Aufenthaltsraum im Dach (je nach Bundesland) ca. 2,20m
  • Verbleibende Resthöhe des Hauptdachs bei Zwerchdach als Flachdach 2,66 Meter abzügl. 2,50 Meter Gesamthöhe Zwerchbau = 0,16 Meter

3. Dachneigung 25° / Haustiefe 8 Meter (normales Einfamilienhaus) / mittiger First:

  • resultierende Höhendifferenz der Hauptdachfläche 2,22 Meter
  • Mittlere Dachaufbauhöhe des Zwerchdaches mit Dämmung etc. ca. 0,30m
  • Mindesthöhe Aufenthaltsraum im Dach (je nach Bundesland) ca. 2,20m
  • Verbleibende Resthöhe des Hauptdachs bei Zwerchdach als Flachdach 2,22 Meter abzügl. 2,50 Meter Gesamthöhe Zwerchbau = -0,30 Meter

Es wird sehr schnell deutlich, dass selbst bei minimaler Aufbauhöhe des Zwerchdaches als nicht geneigtes Flachdach bei üblichen Wohnaustiefen bereits ab 30 Grad Neigung ein Bereich erreicht wird, wo ein Zwerchdach nur noch gerade so funktioniert. Wird das Zwerchdach nun durch eine abweichende Dachform mit Neigung zusätzlich höher, lässt es sich nur noch bei höherer Neigung des Hauptdaches oder entsprechend größerer Tiefe der Dachfläche bis zum Firstpunkt realisieren.

Wo ein Zwerchdach funktioniert

Das Satteldach ist ein Zwerchdach Grundsätzlich lässt sich ein Zwerchdach nebst dem damit verbundenen Querbau oder Dachaufbau überall dort realisieren, wo es aus einer geneigten Dachfläche mit der bereits erläuterten Neigung heraustreten kann. Allerdings zeigt sein praktischer Einsatz, dass die Verwendbarkeit doch darüber hinaus noch weiteren Einschränkungen unterliegt.

Gut geeignet bei:

Mäßig geeignet bei:

  • Kleinformatigeren Walmdächern und Krüppelwalmdächern (wegen zu geringer verbleibender Dachfläche)

Ungeeignet bei:

  • Pultdächern (da gestalterisch sehr schwer mit klarer Formgebung vereinbar und Neigung häufig nicht ausreichend)
  • Flachdächern (da keine nennenswerte Neigung vorhanden)

Dachformen und Eindeckungen beim Zwerchdach

Faktisch lassen sich beim Zwerchdach alle gängigen Dachformen und Deckungsmaterialien moderner Wohngebäude realisieren. Je nach gewählter Dachform kann das Zwerchdach so entweder imposant in Erscheinung treten oder sich zurückhaltend in die Hauptdachfläche einfügen. Lediglich einige wenige Einschränkungen hinzunehmen:

  • Firstrichtung bei Sattel-, Walm- oder Tonnendach immer orthogonal zum Hauptdach
  • Neigung beim Schleppdach (geneigte Dachfläche mit gleicher Ausrichtung und Steigrichtung wie Hauptdach) immer geringer als Hauptdachneigung
  • Beim Walmdach nur einseitige Walmfläche möglich

Meist wird aus Gründen der homogenen Erscheinung für das Zwerchdach dieselben Deckungsmaterialien verwendet, wie sie beim Hauptdach auftreten. Lediglich bei zu flacher Neigung des Zwerchdaches kommt üblicherweise Blech oder Folie, gegebenenfalls als Kontrast zum Hauptdach, zum Einsatz.

Die Konstruktion

In aller Regel bedient sich ein Zwerchdach aus Gründen der Wirtschaftlichkeit des beim Hauptdach angewandten Dachaufbaus. Da die Aufbauhöhe, wie bereits im Beispiel dargestellt, häufig ein Problempunkt ist, kommt häufig eine Indachdämmung mit zwischen den Sparren eingelegter Dämmschicht zum Einsatz.

Die innenseitige Dampfsperre und außenseitige Unterdachbahn wird an die entsprechenden Ebenen des Hauptdaches angebunden.

Das Walmdach ist ein ZwerchdachAus konstruktiver Sicht erfolgt die Ableitung der Lasten des Zwerchdaches direkt auf darunterliegende Massivwände. Betrachtet man dagegen keinen echten Querbau, sondern eine Dachgaube, wird die gesamte Gaube mitsamt Wänden und Dach meist als Holzkonstruktion auf die begrenzenden Dachsparren aufgesetzt. Auch der Wandaufbau orientiert sich dabei am Aufbau von Haupt und Zwerchdach und stellt somit letztlich eine Art senkrecht gestellten Teil der Dachfläche dar.

Kosten

Natürlich bedeutet jedes Zwerchdach zusätzliche Kosten. Diese liegen im Vergleich zum Hauptdach deutlich höher je geschaffenem Raummeter Volumen, da der Hüllflächenanteil deutlich höher liegt. Kleine Querbauten zur Verbesserung der Nutzbarkeit einzelner Räume lassen sich dabei bereits um 10.000,- Euro realisieren. Tritt der Querbau zusätzlich in darunter liegenden Geschossen vor den Hauptbaukörper hinaus, erhöhen sich die Kosten entsprechend.

Vor- und Nachteile

Diese Vor- und Nachteile schlagen beim Zwerchdach in den meisten Fällen zu Buche:

Vorteile

  • Höhere Raumhöhe für bessere Nutzbarkeit
  • Zusätzliche senkrechte Wände für bessere Möblierbarkeit im Dachraum
  • Bessere Belichtungsmöglichkeiten durch Einsatz normaler Fassadenfenster
  • Gestalterische Gliederung und Auflockerung des Hauptdaches
  • Vielseitig in Dimension, Formgebung und Eindeckung

Nachteile

  • Hohe Kosten in Relation zum geschaffenen Raum
  • Bei kleinen Dächern in ihrer Größe stark eingeschränkt
  • Zahlreiche konstruktive Anbindungspunkte an Hauptdach, somit aufwändig und störanfällig
  • Nur bei gewisser Dachhöhe bzw. Neigung möglich