Die Ketten- bzw. Motorsäge ist ein höchst gefährliches Werkzeug. jedes Jahr verletzen sich dutzende Menschen damit schwer. Gar nicht selten kommt es dabei auch zu Toten. Den sicheren und ordnungsgemäßen Umgang mit dem Gerät sollte man am besten in einem Lehrgang lernen, der mit einer Prüfung und einem Zertifikat abschließt. Mitunter kann der daraus resultierende Kettensägenschein sogar gesetzlich vorgeschrieben sein.

Gesetzliche Grundlagen

Grundsätzlich gibt es nirgendwo in Deutschland eine gesetzliche Vorgabe, die für den Besitz oder den Umgang mit Kettensägen einen Eignungsnachweis oder einen Kurs vorschreibt. Jeder kann folglich ein derartiges Werkzeug frei kaufen und dann damit auch
arbeiten. Sollte man allerdings in einem staatlichen Forst privat Holz schlagen wollen, fordern die Forstämter in den meisten Bundesländern vorab häufig einen Nachweis darüber, dass man den sicheren Umgang mit Ketten- bzw. Motorsägen gelernt hat. Damit man einen derartigen Nachweis - gerne auch Kettensägenschein oder Kettensägen Führerschein genannt - erhält, muss man in der Regel einen Kurs absolvieren. Die Inhalte des Kurses sind freilich ebenfalls nicht einheitlich festgelegt. Lediglich die allgemeinen Unfallverhütungsvorschriften müssen dabei mit unterrichtet werden. Außerdem schreiben die gesetzlichen Unfallversicherungsträger vor, dass der Kurs
  • vier Stunden Theorie
  • und acht praktische Stunden umfasst.
Außerdem wird in der Regel unterschieden, ob die Kursteilnehmer das Wissen für den privaten Holzeinschlag benötigen oder ob sie gewerblich tätig sind bzw. sein wollen. Letzteres erfordert einen deutlich umfangreicheren Kurs mit mehr Inhalten. Sowohl private Anbieter als auch die Forstämter bieten Kettensägen Kurse regelmäßig an. Die Dauer und die Kosten des Kurses unterscheiden sich dabei von Anbieter zu Anbieter.

Inhalte

MotorsägenscheinWer sich dazu entschließt, einen Kettensägen Lehrgang zu absolvieren, sollte sich genau ansehen, welche Inhalte der Anbieter tatsächlich vermittelt. Auch wenn es dazu keine einheitlichen Vorschriften gibt, sollten folgende Punkte unbedingt enthalten sein:
  • Vermittlung der Unfallverhütungsvorschriften nach den Vorgaben der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft
  • Sicherheitsbekleidung und deren Bedeutung
  • Aufbau und Handhabung von Kettensägen
  • Sicherheitseinrichtungen der Kettensäge
  • Wartung und Pflege der Säge
  • Arten und Leistungsklassen der Betriebsstoffe
  • Schärfen der Kette in Theorie und Praxis
  • Einfache Schneideübungen an bereits gefällten Bäumen
  • Schneideübungen konkret im Wald
  • Fällen von Bäumen in Theorie und Praxis
Die
sichere Handhabung einer Motorsäge bedarf jeder Menge an Wissen und Übung. Es ist daher ratsam, sich die Kursinhalte und die Vermittlung dieser Inhalte genau anzusehen. Von Kursen, die nur Theorie anbieten, sollte man von vorneherein die Finger lassen. Grundsätzlich macht es auch Sinn, wenn die Kursinhalte auf zwei Tage verteilt sind. Ob man sich dabei für einen staatlichen Anbieter (Forstamt) oder einen privaten entscheidet, ist im Prinzip egal. In der Regel aber kann man sich darauf verlassen, dass staatlich Stellen für eine fundierte Ausbildung sorgen. Die Finger lassen sollte man auf jeden Fall von ein- oder zweistündigen Schnellkursen, die etwa Baumärkte oder andere Händler anbieten.

Voraussetzungen

Grundsätzlich kann jeder einen Lehrgang zum Erwerb eines Kettensägen Führerscheins absolvieren. Voraussetzung dafür ist meist lediglich ein Mindestalter von 18 Jahren sowie die gesundheitliche Eignung. Anders ausgedrückt: Menschen, die beispielsweise an Epilepsie oder einen anderen Erkrankung des Nervensystems leiden, sollten von vorn herein den Umgang mit der Kettensäge unterlassen. Darüber hinaus schreiben einzelne Anbieter auch vor, dass man mit seiner eigenen Sicherheitskleidung zum Kurs kommt. Dazu gehört mindestens:
  • Kopfschutz (Helm) mit integriertem Augenschutz
  • Gehörschutz
  • schnittfeste Spezialhose und Jacke
  • Arbeitsschuhe mit Stahlkappen
Arbeitsschutz - Helm - Visir - GehörschutzMitunter kann es auch vorkommen, dass man seine eigene Kettensäge zum Kurs mitbringen muss. Um die Voraussetzungen konkret abzuklären, sollte man vor Beginn des Kurses bzw. schon bei der Anmeldung mit dem Anbieter sprechen. Das man darüber hinaus den Kurs nur in nüchternem Zustand (kein Alkohol, keine Drogen) absolvieren kann, versteht sich eigentlich von selbst.

Ablauf

Es liegt auf der Hand, dass sich der Ablauf eines derartigen Lehrgangs von Anbieter zu Anbieter unterscheidet. Grundsätzlich aber wird man mit dem theoretischen Teil beginnen. Dabei geht es dann zum Beispiel um die Unfallverhütungsvorschriften und die theoretischen Hintergründe beim Fällen oder Zerkleinern eines Baums. Zudem werden hier oft auch noch Kenntnisse zur Beurteilung der Qualität von Bäumen vermittelt. In einem nächsten Schritt wird man sich dann den Aufbau einer Motorsäge, ihre Funktionsweise sowie die eingebauten Sicherungselemente vornehmen. Erst dann geht es an den praktischen Teil, der vom Anlassen der Säge, über die konkrete Handhabung bis hin zur Reinigung des Gerätes und dem Schärfen der Kette reicht. Meist wird jeder Teilnehmer das konkret üben können. Schlussendlich folgt noch eine Exkursion in den Wald, um das Arbeiten unter den konkreten Bedingungen vor Ort zu üben. Ist dies
erledigt, geht es an die Abschlussprüfung, die meistens auch aus einem theoretischen und einem praktischen Teil besteht.

Dauer

Ein Lehrgang zur Erlangung des Kettensägenfüherscheins dauert in der Regel mindestens einen Tag. Wie bereits angedeutet macht es allerdings Sinn, ihn auf zwei Tage zu verteilen. Vorteil: Das erlangte Wissen kann sich setzen und es bleibt mehr Zeit zum Üben. Die Lehrgänge werden häufig samstags bzw. am Wochenende angeboten, so dass sie auch für Berufstätige in Frage kommen.

Kosten

Auch die Kosten unterscheiden sich natürlich. Sie hängen außerdem davon ab, ob der Kurs ein oder zwei Tage dauert. Ganz allgemein kann man sagen, dass man mit Lehrgangsbebühren zwischen 100 und 400 Euro rechnen muss. Manche Forstämter bieten die Kurse derzeit noch gratis an. Da es an dieser Praxis aber deutliche Kritik der zuständigen Landesrechnungshöfe gibt, dürfte sich das jedoch bald ändern.

Möglichkeiten

Motorsäge Schein machenAuch wenn der Kettensägenschein nicht zwingend vorgeschrieben ist, macht er schon mit Blick auf die eigene Sicherheit Sinn. Will man als Selbtswerber in einem staatlichen Forst Holz schlagen, kommt man ohnehin nicht um das Dokument herum. Und auch in privaten Wäldern, die nach dem Waldzertifizierungssystem PEFC bewirtschaftet werden, ist der Schein seit 2013 Pflicht.