Auch ein winzig kleines Tierchen kann einen großen Schaden verursachen. Das mag auch daran liegen, dass davon selten eins alleine kommt. Die Spinnmilben vermehren sich rasend schnell. Wenn sie nicht rechtzeitig gestoppt werden, kann es für die befallene Pflanze schlimm enden. Ein anderes kleines Tierchen, die Raubmilbe, kann sich für uns auf die Jagd nach diesem Schädling machen.

Was sind Spinnmilben?

Spinnmilben sind besonders kleine Spinnentiere. Sie sind rund und gerade mal so groß wie ein Stecknadelkopf. Mit bloßem Auge sind sie kaum zu erkennen. Das liegt zum einen an der Minigröße, zum anderen an ihrer Unscheinbarkeit. Sie sind von gelbgrüner Farbe und haben nur zwei kleine, dunkle Punkte auf dem Rücken. Dieses Aussehen ist eine gute Tarnung, denn auf grünen Blattunterseiten fallen sie optisch kaum auf. Erst beim bewussten, genauen Hinsehen sieht man sie hin und her krabbeln und entdeckt ihre feinen Netze. Nur wenn die Umgebungstemperatur fällt oder die Spinnmilbe hungrig ist, verändert sich ihre
Farbe in Rotbraun. Dieser Rotton hat ihr im Alltagssprachgebrauch auch den Namen Rote Spinne eingebracht, unter dem sie überwiegend bekannt ist. Auch trägt auch die Bezeichnung Gemeine Spinne. Es gibt insgesamt über 120 Spinnmilbenarten, von denen die meisten Nutz- und Zierpflanzen befallen.

Welchen Schaden richten Spinnmilben an?

MilbeFür Spinnmilben bietet die Unterseite der Pflanzenblätter Zugang zu nahrhaften Schätzen. Sie stechen eine Zelle nach der anderen an und saugen ihr den Lebenssaft aus, bis diese ganz leer ist. Die entleerte Zelle füllt sich mit Luft. Zusammen mit benachbarten leeren Zellen wird sie als eine heller Punkt wahrgenommen. Wird diese Fläche immer größer, schimmert sie leicht silberfarben. Zelle für Zelle verlieren die grünen Blätter ihre natürliche Färbung, werden irgendwann braun und sterben schließlich ab. Anders als bei einem Befall von Blattläusen entsteht kein klebriger Überzug. Das liegt daran, dass sie nicht am zuckerhaltigen Pflanzensaft saugen. Sie bilden allerdings ein ganz feines Gespinst an der Blattunterseite aus, welches sich mit dem Fortschreiten des Befalls immer weiter ausbreitet. Zum Schluß kann das Spinnennetz sogar die komplette Pflanze umhüllen.

Hinweis: Eine Ausnahme sind die Obstbaumspinnmilben, diese bilden kaum Netze.

Welche Bedingungen mögen Spinnmilben?

Trockene und warme Luft ist die ideale Umgebung für Spinnmilben. Besonders im Winter fördert die trockene Heizungsluft ihre explosionsartige Vermehrung. Sie machen sich dann häufig über Zimmerpflanzen her. Es ist daher sinnvoll im Winter die Blätter aller Pflanzen regelmäßig auf Spinnmilben zu untersuchen. Stehen die Pflanzen in ihrem Winterquartier auch noch eng beieinander, wandert die Spinnmilbe mühelos von einer Pflanze zur nächsten.

Im Sommer tritt die Spinnmilbe bei trockener und heißer Witterung auch im Freiland auf. Reihen sich viele warme und trockene Tage aneinander, sollten Sie Ihre Pflanzen im Auge behalten und die Blattunterseiten auf Spinnmilben regelmäßig inspizieren.

Welche Pflanzen werden befallen?

Spinnmilben sind keine Kostverächter. Sie sind schon auf fast jeder Pflanze gesichtet worden. Allerdings haben Spinnmilben, genau wie wir Menschen, Lieblingsspeisen, über die sie sich besonders häufig hermachen. Im Garten werden gern Gurken- und Bohnenblätter ausgesaugt. An heißen Sommertagen müssen auch Obstbäume mit ihrem Besuch rechnen. Wenn es um Zimmerpflanzen geht, stehen Zitrusgewächse bei der Spinnmilbe ganz hoch im Kurs.

Nachteile chemischer Bekämpfung

Spinnmilben durchlaufen verschiedene Entwicklungsstadien, bis aus einem Ei eine ausgewachsene Spinnmilbe geworden ist. In einer Ruhepause zwischen zwei Stadien ist ihre Nahrungsaufnahme eingeschränkt. In so einem Stadium lassen sie sich schlecht bekämpfen, da sie die für sie giftigen Stoffe der Insektizide nicht in ausreichender Menge aufnehmen. Die Behandlung muss daher mehrere Male wiederholt werden, damit sie zum Erfolg führt. Dies und auch die Schädlichkeit chemischer Stoffe für den Kreislauf der Natur, veranlasst immer mehr Gärtner, sich nach anderen, biologischen Alternativen umzusehen. Raubmilben sind eine solche Alternative.

Was sind Raubmilben?

Raubmilben sind ebenfalls kleine Spinnentiere, die mit ca. 0,5 mm Größe etwa gleich groß sind wie Spinnmilben. Ihr Körper ist birnenförmig geformt und gelblich bis rotbraun gefärbt. Für unsere Pflanzen stellen Raubmilben überhaupt keine Gefahr dar, weil sie deren Pflanzensaft nicht aussaugen. Ihr Interesse gilt den Spinnmilben, die ihnen als Nahrung dienen. Deswegen ist die Raubmilbe ein natürlicher Feind der Spinnmilbe, was sie für einen Nützling für uns Menschen macht.

So helfen Raubmilben gegen Spinnmilben

MilbeRaubmilben stechen mit ihrem Mundwerkzeug Spinnmilben an, saugen sie aus und vernichten sie dadurch effektiv, egal in welchem Entwicklungsstadium sich die Spinnmilben gerade befinden. Sie saugen an deren Eiern, Larven und erwachsenen Spinnmilben. Sie sind ausgesprochen gefräßig und flink bei der Sache. Eine Raubmilbe kann an einem einzigen Tag bis zu 20 Eier der Spinnmilbe bzw. fünf ausgewachsene Spinnmilben vertilgen.

Raubmilben benötigen für die eigene Vermehrung bei günstigen Bedingungen nur etwa sieben Tage. Damit läuft ihre Entwicklung doppelt so schnell ab, wie die der Spinnmilben, sodass sie schnell die Oberhand gewinnen. Die dezimierte Population der Spinnmilben kann keinen großen Schaden mehr anrichten. Die befallenen Pflanzen erholen sich wieder.

Welche Bedingungen mögen Raubmilben?

Anders als Spinnmilben mögen Raubmilben keine trockene Luft. Sie ziehen eine hohe Luftfeuchtigkeit vor. Ist diese sehr gering, trocknen ihre Eier aus, noch bevor die neue Raubmilbe schlüpfen kann. Sie sind daher in besonders trockenen Räumen naturgemäß eher nicht anzutreffen. Bei einem Befall von Spinnmilben, der gerade bei trockener Luft häufig auftritt, müssen sie daher
gezielt in die Umgebung "ausgesetzt" werden. Dafür muss man erstmal in Besitz dieser kleinen Tierchen kommen.

Raubmilben kaufen

Wer keine eigene Züchtung aufgebaut hat, kann Raubmilben im Internet bestellen. Es werden verschiedene Arten angeboten. Die bekanntesten sind die Raubmilben Phytoseiulus persimilis, die ab etwa 25 Grad Celsius und 60 % Luftfeuchtigkeit Spinnmilben wie am Fließband vernichten. Sie eignen sich gut für den Einsatz in Wintergärten und Gewächshäusern.
Etwas weniger gefräßig, dafür aber auch weniger anspruchsvoll hinsichtlich der Temperatur und Luftfeuchtigkeit, ist die Raubmilbe Ambyseiulus cucumeris. Sie eignet sich deswegen gut für den vorbeugenden Einsatz in Zimmern.

Raubmilben werden mit einem Paketdienst geliefert. Sie werden in einem speziellen Behälter mit geeignetem Granulat bzw. Bohnenblättern verpackt. Damit überstehen sie den Transport unbeschadet und haben unterwegs auch ausreichend Futter. Wie viele Raubmilben Sie benötigen, hängt von der Größe der befallen Fläche ab. Ist der Spinnmilbenbefall noch im Anfangsstadium, wird pro Quadratmeter Fläche mit 20 Raubmilben gerechnet. Am besten, Sie erkundigen sich vorab bei den verschiedenen Anbietern nach Preisen und Liefereinheiten.

Raubmilben selbst züchten

Manche Raubmilbenarten können ganz einfach bei Zimmertemperatur gezüchtet werden. Typhlodromus pyri ist eine geeignete Art. Dafür benötigen Sie einige verschließbare 0,25 l Plastikdöschen, etwas Gips und Aktivkohle. Des Weiteren benötigen Sie einige Raubmilben und Pollen als Futter.

1. Mischen Sie den Gips mit ein wenig Aktivkohle.

2. Gießen Sie die Dosen mit der Gipsmischung aus, etwa ein Drittel hoch.

3. Lassen Sie den Gips gut austrocknen.

4. Stechen Sie in die Deckel der Dosen feine Löcher rein.

5. Jetzt können Sie die Milben in die Dosen hineingeben.

6. Geben Sie mit einem Pinsel etwas Pollen als Futter hinein.

7. Verschließen Sie die Dosen mit den Deckeln.

8. Füttern Sie ein bis zwei Mal die Woche.

9. Wenn die Aktivkohle verblasst ist, muss etwas Wasser hineingegeben werden. Am einfachsten geht das mit einer Pipette.

Tipp: Statt mit Pollen können Raubmilben auch mit lebendigem Futter gefüttert werden, z. B. mit Kräuselmilben oder Blattmilben.

Wann ist der Einsatz von Raubmilben Erfolg versprechend?

MilbeEs gibt einige Faktoren, die für den Erfolg dieser natürlichen Schädlingsbekämpfung ausschlaggebend sind.
  • bereits im Anfangsstadium des Befalls handeln
  • Raubmilben in ausreichender Zahl einsetzen
  • Raubmilben unverzüglich nach der Lieferung freilassen
  • unterschiedliche Arten benötigen unterschiedliche Bedingungen
  • Hinweise der Züchter/Lieferanten beachten
  • die Nützlinge direkt auf die Blätter der befallenen Pflanzen geben
  • für gute Luftfeuchtigkeit sorgen
  • ggf. nach etwa sieben Tagen eine neue "Portion" Raubmilben dazugeben
Tipp: Mit einem Hochdruckschlauch lässt sich die Luftfeuchtigkeit regelmäßig und leicht erhöhen. Mit einer feinen Drüse wird eine Vernebelung der Luft erzeugt.

Wenn der Befall schon sehr stark fortgeschritten ist und auch bereits zahlreiche Gespinste zu sehen sind, ist für diese biologische Bekämpfungsmethode schon zu spät. Deswegen ist es ein guter Weg, Raubmilben bereits im Frühjahr vorbeugend einzusetzen, wenn die Spinnmilben aus ihrem Winterschlaf erwachen. Die frisch schlüpfenden Spinnenmilben werden so von Anfang an der Ausbreitung gehindert. Diese Vorgehensweise ist vor allem dann zu empfehlen, wenn in größerem Umfang Pflanzen kultiviert werden. Handelt es sich dabei auch noch um die Lieblingspflanzen der Spinnmilben, könnte der frühe Einsatz die Ernte sichern.

Hinweis: Chemische Bekämpfungsmittel wie Fungizide und Insektizide sind schädlich für die Raubmilben und sollen nicht parallel dazu eingesetzt werden.