RotkehlchenRotkehlchen sind passend benannte heimische Vögel, die Gärtner bei der Beseitigung von Schädlingen unterstützen und sie mit ihrem abwechslungsreichen Gesang unterhalten. Im Garten können sie also gute Dienste leisten und sollten daher so gut wie möglich als natürliche Fressfeinde von Insekten gepflegt und willkommen geheißen werden. Vor allem, wenn auch chemische Mittel verzichtet werden soll, sind die Rotkehlchen von hohem Wert. Aber wie können die Tiere angezogen und vielleicht sogar zum Brüten im eigenen Garten veranlasst werden?

Rotkehlchen Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Erithacus rubecula
  • Aussehen: Braunes und graues Gefieder mit rot-oranger Brust, Kehle und Stirn
  • Körperform: rundlich und leicht gedrungen
  • Größe: 13 bis 14
    Zentimeter
  • Gewicht: etwa 15 bis 18 Gramm
  • Spannweite: circa 22 Zentimeter
  • Brutzeit: Ab März bis April, zwei bis drei Mal im Jahr
  • Nistplätze: eher bodennah im Dickicht
  • Legeumfang: bis zu sechs Eier
  • Nahrung: Insekten und weiche Samen
  • Gesang: ausgeprägte Kommunikation mit Artgenossen, die sich durch Tick, Zik und Schnatterlaute äußert, ertönt meist in der Dämmerung und stark bei Nebel
  • Lebenserwartung: bis zu 5 Jahre
  • Zugverhalten: Im Norden und Osten Europas beginnt der Zug etwa im Oktober
  • Überwinterung: teils in Nordafrika und im Mittelmeerraum
  • Feinde: Mensch, Katzen, Marder, Raubvögel

Verbreitung

Das Rotkehlchen gehört zur Ordnung der Sperlingsvögel, zur Unterordnung der Singvögel und hier zur Familie der Fliegenschnäpper. Es lebt in Nordafrika, Europa und Kleinasien. Im Mittelmeerraum ist es ebenfalls zu finden, in Skandinavien und weiteren nördlichen Gebieten jedoch nicht.
Es bevorzugt als Lebensraum wassernahe Gebiete und Bereiche mit zahlreichen Bäumen, wie sie in Parks, Wäldern aber auch in Gärten zu finden sind.
Wer Rotkehlchen im eigenen Garten sichten möchte, sollte also entsprechende Bedingungen bieten. Zu diesen gehören:
  • abwechslungsreicher Baumbestand
  • Gewässer, wie Gartenteich oder Wasserlauf, alternativ eine Vogeltränke
  • Versteckmöglichkeiten durch Gebüsche und Hecken
  • Pflanzen, die weiche Samen liefern, beispielsweise Liguster, Mehlbeeren, Beeren, Seidelbast oder das passend benannte Rotkehlchenbrot
  • Nistkästen in geschützter Lage

Zugverhalten

Im Norden und Osten Europas ziehen die Rotkehlchen im Herbst gen Süden und überwintern im wärmeren Mittelmeerraum und in Nordafrika. In Deutschland sind sie auch im Winter gelegentliche Gäste am Futterhaus. Ob der eigene Garten auch im Winter noch von den rotbekehlten Vögel besucht wird oder diese im Wohnbereich überhaupt noch anwesend sind, können aufmerksame Zuhörer leicht feststellen.
Rotkehlchen
Die typischen "Zick", "Zip" und "Zieb" Laute lassen die Rotkehlchen auch im Herbst und Winter erklingen. Ausnahmen sind hier starke Regenfälle. Bei derartigem Wetter verstummen die Erithacus rubecula vollständig.

Nahrung

Hier wird es für Gärtner gleich mehrfach interessant und das Rotkehlchen nützlich, denn die Vögel ernähren sich während der Brutzeit und in den warmen Monaten fast ausschließlich von Insekten. Das ist im Garten von großem Nutzen, da die Erithacus rubecula den Boden abpicken als auch Baumrinde und Pflanzen. Zudem wurden sie sogar schon dabei beobachtet, wie sie Wasserinsekten fingen.

Sie können Gärtnern also dabei helfen, Schädlinge im Schach zu halten. Allerdings sollten sie auch dann noch gefüttert werden, wenn die Insekten gerade nicht im Übermaß vorhanden sind - ansonsten suchen sie sich einen neuen Wirkungsbereich. Es ist daher entscheidend, dass ihnen auch pflanzliche Nahrung zur Verfügung gestellt und sie im Winter entsprechend versorgt werden.

Fressverhalten

Rotkehlchen ernähren sich, wie erwähnt, von Beeren und Samen, jedoch lieber von Insekten. Vor allem im Winter bevorzugen sie zudem eiweiß- und fettreiche Nahrung. Anstelle von Körnern sollte ihnen also Insekten und Fettfutter geboten werden und das am besten bodennah oder mit einer großen Anflugfläche. Gute Möglichkeiten der Fütterung sind:
  • am Boden, beispielsweise auf einem Brett und durch
    Drahtgitter geschützt; das Futter kann auch direkt auf den Schnee gestreut werden
  • auf dem Fensterbrett
  • in einem Vogelhaus oder Futterautomaten mit einer großen Bodenplatte
  • als Futterkugel, unter der sich ein Brett befindet
Rotkehlchen wollen landen können und fliegen nur selten hängende Futterquellen an. Es ist daher immer sinnvoll, ihnen eine Bodenplatte zur Verfügung zu stellen. Diese sollte aber natürlich vor den Angriffen durch andere Tiere geschützt sein.
 

Balzzeit

Die Balzzeit erfolgt ebenso wie die Eiablage mehrmals im Jahr. Dabei begibt sich ein Weibchen in das Revier eines Männchens und zeigt hier infantiles Verhalten. Es beschwichtigt und bettelt um Futter. Das ist auch notwendig, denn das Balzverhalten des Männchens ist imponierend und aggressiv.

Lässt sich das Rotkehlchen-Männchen beschwichtigen, füttert es das Weibchen und begattet es im Anschluss. Der Geschlechtsakt ist kurz und kann vor, nach oder sogar ohne Fütterung durch das Männchen erfolgen. Er wird von der ersten Begattung über den Bau des Nestes bis zur Ablage des letzten Eis mehrfach täglich wiederholt, wobei jeweils das Balzverhalten vorangeht. Zudem sind die Vögel in dieser Zeit sehr singfreudig.

Brutzeit

Rotkehlchen brüten mehrfach im Jahr. Das erste Gelege fällt zwischen März und April. Das zweite Gelege folgt etwa im Juni oder Juli. Eine dritte Brut ist möglich, jedoch ausgesprochen selten. Wer Rotkehlchen Nester im Garten hat, sollte während der Brutzeit vom Verschneiden der Hecken und Bäume absehen.

Die Eltern- und Jungtiere würden hierdurch verschreckt und gestresst werden und sich in der Folge ein neues Zuhause suchen. Wer die nützlichen Rotkehlchen im Garten halten möchte, geht also vorsichtig vor und verzichtet am besten auf laute Geräte.

Nistplätze

Rotkehlchen JungvogelRotkehlchen nisten vorzugsweise in bodennahem Dickicht, also beispielsweise in Brombeersträuchern oder Hecken. Sie bauen hier flache Nester, deren Konstruktion nur wenige Tage in Anspruch nimmt. Allerdings können ihnen auch Alternative geboten werden. Und das ist sogar notwendig, wenn Katzen, Marder und größere Raubvögel in der Umgebung sehr aktiv sind. Ideal sind Nistkästen an der Hauswand, einem Baum oder in der Hecke. Um sie für die Rotkehlchen anziehender zu gestalten, sollte sie etwas versteckt liegen, also von Pflanzen umgeben sein. Zudem ist es wichtig, dass sie für andere Tiere nicht erreichbar sind und nur eine kleine Eingangsöffnung aufweisen.

Tipp: In Sichtweite eines Fensters und nahe an der Fütterungsstelle platziert, lässt sich das Treiben samt ersten Flugversuchen der Jungvogel entspannt beobachten. Zudem kann eingegriffen werden, wenn ein Nestjunges stürzen sollte. Es ist eine Mär, dass Vögel ihre Jungen nach Menschenkontakt nicht mehr annehmen.

Schutz vor Feinden

Katzen und Marder gehören zu den typischen Feinden des Rotkehlchens, Raubvögel können ihnen aber ebenfalls gefährlich werden. Im Garten sollten sie daher umfassend geschützt werden. Sinnvoll sind hierzu:
  • Hecken und Sträucher, Beeren, Liguster und dicht belaubte Bäume
  • Schutzringe aus Draht an Baumstämmen, um das Klettern von Katzen und Mardern zu verhindern
  • ein Futterplatz, der mit außen gebogenem Drahtgeflecht geschützt wird
  • Auffangschalen unter den Futterplätzen
  • Kletterschutz unter den Nistplätzen
  • für Nest und Fütterung unerreichbare Plätze wählen, beispielsweise ein Fensterbrett im ersten Stock
Eine dichte Bepflanzung ist das A und O, um Rotkehlchen anzuziehen. Auch Laubhaufen oder "wilde" Bereiche im Garten eignen sich hierzu. Naturwiesen, Reisig und das partielle Mähen des Rasens sind gute Maßnahmen. Bei Letzterem handelt es sich schlicht darum, nicht alle Wiesen und Rasenflächen am gleichen Tag zu mähen. Hierdurch werden die Rotkehlchen zum einen weniger gestört. Zum anderen bekommen sie gewissermaßen ein Buffet geboten.  

Fazit
Rotkehlchen sind Nützlinge im Garten und sollten - obwohl sie nicht bedroht sind - willkommen geheißen werden. Mit dem richtigen Wissen rund um Fütterung, Brut und Feinde ist das sehr einfach möglich und zudem noch lohnend. Denn allein das Singen und Treiben der Erithacus rubecula ist ein entspannendes Schauspiel.